Mit dem Arbeitsamt auf Klo

Die Pflicht ruft. Ich muss mich beim Arbeitsamt melden. Ich habe absolut keine Lust. Aber ebensowenig habe ich Lust, später auf irgendwelche Leistungen zu verzichten, weil ich jetzt keine Lust habe, mich zu melden. Ich wähle die Telefonnummer. Es klingelt. Warteschleife. Und da plötzlich passiert es.

Es passiert, wie es eigentlich immer in solchen Situationen passiert. Wie früher beim Verstecken spielen, sobald ich im Versteck saß und mucksmäuschenstill gewartet habe. Ich muss ganz plötzlich unfassbar dringend pinkeln.

Ich sitze mit dem Hörer in der Hand und mit wippenden Füßen am Küchentisch und höre mir die Bandansage an. Alles auch online. Das Arbeitsamt im Internet. Ja ja ja. Ich will mich aber nirgends anmelden und einloggen!

Eigentlich möchte ich gerade nur noch auf’s Klo. Meine Blase siegt. Was soll’s auch? Ich sitze schließlich in keinem Versteck, sondern bin allein bei mir zu Hause. Ich hüpfe ins Badezimmer, während ich mir einhändig schon mal die Hose öffne – es soll ja schnell gehen. Kaum habe ich den Klodeckel hochgeklappt, wird fordernd gefragt, wie man mir helfen kann. Ich bringe mein Anliegen vor und versuche gleichzeitig möglichst leise zu pinkeln. Es gelingt mir ganz gut, wie ich finde. Soweit so gut.
Die etwas gereizte Stimme am anderen Ende der Leitung stellt belehrend fest, dass in acht Tagen meine Meldefrist abläuft, um in drei Monaten gegebenenfalls irgendwelche Leistungen in Anspruch nehmen zu können. Ich erwidere siegessicher, dass acht Tage vor Ende der Frist noch absolut innerhalb der Frist ist. Es folgen knappe, unfreundliche Worte. Ich hab doch nichts falsch gemacht. Ganz im Gegenteil. Ich ärgere mich und möchte am liebsten direkt auflegen. Stattdessen lächele ich aber und drücke die Klospülung. Die große Taste. Mit viel Wasser. Und dann sage ich ganz freundlich: „Entschuldigung. Ich habe Sie gerade nicht verstanden, weil ich die Klospülung benutzt habe. Könnten Sie das bitte ALLES nochmals wiederholen? Danke.“

Nachtrag Dezember 2014
Willkür. Das ist, wenn eine Frau an der Arbeitsamt-Hotline die fristgerechte Meldung telefonisch entgegennimmt, aber im System nichts vermerkt. Weil sie eben kann.

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