Kalte Fischstäbchen

Die Hände tief in die Taschen vergraben. Die Schultern noch ein bisschen höher gezogen. Es ist kalt. Ich zittere. Seit sich seine Tür hinter mir geschlossen hat, ist Wind in mir aufgekommen.

Den ganzen Abend war es still in mir. Ruhig habe ich ihn angesehen und ihm zugehört.
Wir haben Spaghetti gegessen. Fischstäbchen hatte ich nicht mit ihm essen wollen. Sie wären vermutlich auf meinem Teller neben einem Berg aus Kartoffelbrei und einem See aus Spinat liegen geblieben und kalt geworden.
Fischstäbchen waren für uns das, was für andere ein gemeinsames Lied ist. Und noch viel mehr. Fischstäbchen waren das Zuhause und der Alltag, in dem wir uns beide eingerichtet hatten. Wir waren eben nie Lachs oder Kaviar. Wir waren Fischstäbchen mit Kartoffeln, Spinat und Ei.
Jetzt sind wir Spaghetti. Da können wir wenig falsch machen.

„Es war ein Fehler.“ Meine Schritte hallen auf dem Gehweg und seine Worte in meinem Kopf. Es beginnt zu nieseln. Typisch. Inzwischen ist der Wind ein Wirbelsturm, der in mir wütet. Ich muss mich von ihm befreien, ihn raus lassen. Eilenden Schrittes gehe ich frierend durch den Regen nach Hause.

Zweieinhalb hektische Zigaretten haben nicht im Geringsten für etwas Ruhe im Bauch gesorgt. Im Gegenteil: Der Wirbelsturm hat sich bis zum Kopf ausgedehnt. Das windstille Auge ist mein Herz. Schlägt es überhaupt noch? Bumm bumm. Bumm bumm. Wenigstens etwas.

Ich gehe zum Kühlschrank und öffne das Eisfach. Vodka hilft vielleicht. Die Flasche ist festgefroren. Mit einem Ruck ist sie befreit. Und mit der Flasche eine längst vergessene, angebrochene Packung Fischstäbchen. Der Sturm verdichtet sich. Das Herz schlägt noch. Bumm bumm. Bumm bumm.

Ich hatte mir geschworen, nie nie nie wieder Fischstäbchen zu essen. Auf dem Teller liegen jetzt diese trostlosen Dinger. Tief durchatmen. Noch ein Doppelter. Und dann lasse ich endlich den Wirbelsturm frei.

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