Mama

Heute ist Muttertag. Auf allen Kanälen poppen die Bilder, Liebesbekundungen und Danksagungen für unsere Mamas hoch. Ja, ja, ja. Ich habe meine Mama auch sehr lieb, aber brauche ich dafür einen Muttertag?

Der Muttertag, meine Mama & Ich

Meine Mama hat mich letzten Sonntag gefragt, ob denn heute schon Muttertag sei. Aus mir nicht ganz eindeutigen Gründen findet sie diesen Tag unnötig und überwertet und kann oder möchte sich daher nicht merken, wann er genau ist. Ich habe ihr erklärt, dass nächste Woche erst Muttertag sei.
So wenig sie diesen Tag braucht, um von ihren Kindern für ihre Lebensplanung, Lebensleistung und Liebe an einem einzigen Tag im Jahr gelobt zu werden, so sehr freut sie sich aber doch über einen kleinen Gruß von ihren Kindern – allerdings nicht mehr oder weniger als an jedem anderen Tag im Jahr.

Bei einer Umfrage unter allen Autorinnen und Autoren des Magazins für das ich schreibe, sollten wir mitteilen, „was ihr eurer Mama (nettes, trauriges, heimliches) schon immer mal sagen wolltet.”
Ich musste nicht lange überlegen. Mir fiel sofort etwas sehr Pesönliches ein, dass ich aber nicht in das Redaktionsdokument eintragen wollte: Je näher ich dem Alter komme, in dem meine Mama ihre beiden Eltern verloren hat, desto mehr glaube ich zu verstehen, wie schwer dieser Verlust wiegt und wie bewundernswert sie damit umgegangen ist.
Für die Redaktion wählte ich einen Satz, den ich vor gar nicht so langer Zeit unter Freunden sagte und viel Zustimmung bekam: Egal welches Parfüm sie benutzt, sie riecht für mich nach Mama.

Der Muttertag, andere Mamas & ihre Kinder

In der letzten Woche haben wir mit den Kindern in der Schule für den Muttertag gebastelt. Gefaltete Rahmen aus Tonpapier mit einem Bild der lieben Kleinen. Es wurde gemalt, geklebt und geschrieben. Ich sollte Herzen, Schmetterlinge und Blumen vorzeichnen. Die meisten Mädchen arbeiteten mit Akribie, die Jungen eher widerwillig – Basteln ist für sie so lästig wie Schreibübungen. Ein paar Kinder saßen jedoch besonders lustlos vor ihren Bastelarbeiten. Auf Nachfrage erfuhr ich, „dass Mama ja nicht mehr da ist, Papa im Gefängnis und Oma weit weg“ oder „Mama immer gleich alles Gebastelte wegschmeißt“ oder „ Mama auf keinen Fall ein Geschenk bekommen soll“. Muttertag ist nicht immer eine Freude. Also überzeugte ich die Kleinen davon, dass die Muttertagsgeschenke in besonderen Fällen auch an Heimerzieherinnen, Papas, Geschwister, Tanten und Freundinnen verschenkt werden können.
Alle anderen Kinder überlegten sich, ihre Mama mit einem Frühstück, gekochten Eiern, Obstsalat, einem Dönerteller oder einem Ausmalbild von den Ninja Turtles zusätzlich zu überraschen oder sie zu erschrecken und ihr dann das Geschenk zu überreichen.

Muttertag. Das ist nicht nur der Tag, an dem wir uns erinnern, unserer Mama zu danken, sondern auch der Tag, an dem sich viele erinnern, dass sie keine Mama (mehr) haben, der sie danken können.

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