40 Tage ohne Facebook

Heute beginnt die Fastenzeit. Wie immer an Aschermittwoch. Ich habe noch nie gefastet – weder aus gesundheitlichen noch aus religiösen Gründen. Dennoch möchte ich dieses Jahr verzichten. Auf ein Genussmittel, wenn man so will. Nämlich auf Facebook.

Fasten bedeutet für einen festgelegten Zeitraum auf (bestimmte) Speisen, Getränke und Genussmittel zu verzichten. Dabei können die Gründe sehr unterschiedlich sein. In einem kleinen Anflug von Wahnsinn hatte ich gestern die Idee, dass ich den Beginn der Fastenzeit zum Anlass nehmen werde, um auf eines meiner Genuss- und vielleicht sogar Suchtmittel zu verzichten: Facebook.

Warum gerade Facebook?
Weil mir der Verzicht auf bestimmte Speisen und Getränke absolut nicht schwerfällt. Ich verzichte aus Überzeugung schon auf so einiges. Hingegen auf Facebook zu verzichten fällt mir bestimmt sehr schwer. Bei meiner Ablenkungs- und Informationssucht ist Facebook fast immer meine erste Wahl. Ich verbringe viel Zeit mit Facebook. Mehr als ich eigentlich möchte.

Es ist eine Hassliebe mit mir und Facebook.
Obwohl ich wirklich Vieles an dem Social Network Giganten schrecklich finde, insbesondere wie das Unternehmen mit Datenschutz, fremden Inhalten und Hassbotschaften umgeht, verbringe ich trotzdem so viel Zeit damit, dass ich auf Reisen schon gebeten wurde, doch auch mal Urlaub von Facebook zu machen. Ich wurde auch schon gefragt, warum ich den selbstgebackenen Kuchen auf Instagram und Facebook teile anstatt mit meinen Nachbarn.
Ihr kennt das vielleicht? Eben genau darum möchte ich auf Facebook verzichten. Ich will es wissen! Und ich liebe Herausforderungen.

Es ist ernst, Baby!
Weil mir die Sache irgendwie ernst ist, habe ich meinen Plan gleich einer paar Freunden verkündet. Mein Vorhaben wurde bisher ein einziges Mal als gute Idee quittiert. Ansonsten wurde ich gefragt, was denn jetzt mit meinen Facebook-Gruppen sei? Den Orten, an denen Partys, Hilfsaktionen, WG-Zimmer-Suchen, Autorentreffen und Ehrenämter organisiert werden. Nun ja. Mit meiner eigenen Gruppe, die zwar fast 1.000 Mitglieder zählte, aber zunehmend weniger Inhalt bot, habe ich kurzen Prozess gemacht: Etwa 300 Mitglieder habe ich selbst entfernt (eine Gruppe lässt sich nicht mit einem Klick löschen…) und dann in einem Post verkündet, dass die Gruppe bald gelöscht wird (selbstverständlich erst nach Ablauf meiner Fastenzeit) und ich es daher begrüßen würde, wenn die Mitglieder selbst die Gruppe verließen.
Für die anderen Gruppeninhalte muss ich auf Emails zurückgreifen, auf den Informationsfluss von Freunden hoffen und künftig den Tee eben ohne Ankündigung meiner Anwesenheitszeit an Obdachlose und Flüchtlinge verteilen.

Vorbereitung ist alles.
Die App ist deinstalliert, der Messenger ebenso und sämtliche Benachrichtigungen ausgestellt. Mein Schrott-Email-Account (den ich nur noch für Facebook, Couchsurfing und den Fusion-Newsletter nutze) wird ebenso ein Tabu für mich sein wie Facebook selbst.
Leicht wird das sicher nicht. Aber ich bin so hoch motiviert, dass es mir nicht mal etwas ausmacht, dass es von Aschermittwoch bis Karsamstag nicht 40, sondern sogar 46 Tage sind (die frommen Jungs und Mädchen unter uns wissen natürlich, dass die Sonntage nicht mitgezählt werden). Ich mach aber auch sonntags keine Ausnahme!
Und wer sich jetzt sagt: Na, und? Dann nutzt sie eben Twitter, Tumblr, Google+ und Co. Nutze ich eben nicht. Habe ich nämlich alles nicht. Indianerehrenwort. Meine Liebe gilt bisher nur Facebook und ein bisschen Instagram. Und den Hohn, den ich zu erwarten hätte, sollte meine Instagram-Aktivität in den nächsten 40 Tagen um ein Vielfaches steigen, den möchte ich nun wirklich nicht.

So, liebes Facebook. Wir sehen uns in 40, ach nee 46, Tagen. Ich werde dich bestimmt sehr vermissen.

Und ihr anderen: Bitte verzeiht mir, wenn ich euch zu euren Geburtstagen in den nächsten sechseinhalb Wochen vielleicht viel zu spät oder auch gar nicht gratuliere. Und solltet ihr mich zu euren Theaterstücken, Kunstperformances oder der steilsten Party ever einladen wollen, schickt mir doch bitte eine SMS oder ruft an – so wie früher.

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Dieser Beitrag ist auch erschienen auf Mit Vergnügen Hamburg.

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