Von Berlin nach Istanbul // Prag

Blaue Schienbeine, tiefe Mittagsschläfe, nachts auf der Karlsbrücke, Spätis in den Szenevierteln, Gulaschsuppe und Palatschinken im Zug. 

Tag 1

Glücklich, dass ich unsere Reiseplanung ein wenig aus der Hand geben konnte, verließ ich mich blind auf alle Ansagen meines geliebten Reisepartners. „Selbst Schuld“, mahnte mein inneres Ich, als ich mir im Zug nach Prag meine blauen Schienbeine rieb und dabei in schuldbewusste Augen sah. Eine falsch abgelesene Uhrzeit und eine viel zu lange Busfahrt zum Hauptbahnhof waren die Gründe dafür, dass wir in den schon anfahrenden Zug springen mussten und ich mit einem Ruck auf beiden Schienbeinen landete – immerhin im Zug! Mit rasendem Puls starrten wir in die ungläubigen Gesichter der Erste-Klasse-Bahnreisenden. Vermasselt-geglückter Reiseauftakt: Check.

prag_hauptbahnhof

Etwa fünf Stunden später kamen wir in der Prager Innenstadt in unserem süßen Pensionszimmer unterm Dach an. Einziger, aber sehr verschmerzbarer Wermutstropfen: Die Mittagshitze der tschechischen Sommersonne machte vor unserem Zimmer nicht Halt. Nach einem Supermarktbesuch für das Nötigste (Kaffee, Milch, Brot, Käse & Bier) schoben wir die beiden einzelnen Betten zusammen und fielen in einen sehr tiefen und langen Spätnachmittagsschlaf.

prag_streetlife

Ausgeschlafen und mit dem „Nötigsten“ in unseren Taschen liefen wir am Abend Richtung Moldau und suchten uns ein kühles Plätzchen auf einer der Inseln im Fluss, wo auch abends der Andrang an den Tretbootverleihständen noch überraschend groß war. Scheppernde Musik einer Rockband in einem Biergärten und später tschechisches Geplapper des Open Air Kinos, wo ein Puppenspielfilm gezeigt wurde, begleiteten unser Picknick.

Gestärkt ging es später weiter auf die andere Seite der Moldau Richtung Burg. Hoch oben war die Luft kühler und der Blick über die Lichter der Stadt fast schon zu romantisch schön. Wir staunten nicht schlecht, als wir uns Richtung Mitternacht noch immer mit einem nicht abreißenden Strom von Touristengrüppchen über die Karlsbrücke schoben. Wie mag es hier erst tagsüber sein? Das wollten wir nicht wissen!

Tag 2

„Google doch mal Studentenviertel Prag“, begann ich an Tag 2 unsere Tagesplanung. Nach einem kleinen Frühstück (ein Hoch auf Wasserkocher in Hotelzimmern und die Erfindung von Instantkaffee) machten wir uns auf den Weg nach Zizkov und Vinhohrady östlich der Innenstadt. Wir schlenderten durch die Straße, gesäumt von prächtigen Altbauten der Jahrhundertwende, und freuten uns darüber, keinen Touristen zu begegnen. Kühles Bier hätten wir jederzeit in den zahlreichen Spätis (Mini Markets) der Stadt kaufen können, entschieden uns aber für eine kleine Flasche Absinth. „Die grüne Fee“ erfreut sich insbesondere in Tschechien großer Beliebtheit, wo auch das für uns bekannte, neuzeitliche Ritual des brennenden Zuckerwürfels erfunden wurde.

prag_paerchen

Kulinarisch versorgten wir uns auf einem kleinen Wochenmarkt in Vinhorady an der Metrostation Jirího z Podebrad mit traditionellem Pfannensauerkraut.

Am Nachmittag schliefen wir wie am Vortag ebenso lange und tief, bevor wir abends wieder an der Moldau spazierten.

prag_minimarket

Tag 3

Sehr früh am Morgen erwachten wir unter einem Bilderbuchhimmel, den wir bei einem schnellen Kaffee bewunderten, bevor wir um sieben Richtung Bahnhof liefen. Sieben Stunden Fahrt versuchten wir uns mit Dösen (an Schlafen ist für mich auf so einem Bahnsitz irgendwie nie richtig zu denken), Lesen sowie Gulaschsuppe und Palatschinken im Speisewagen so kurzweilig wie möglich zu gestalten – eher mittelmäßig erfolgreich. Sieben Stunden sind eben sieben Stunden. Next Stop: Budapest.

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