Von Berlin nach Istanbul // Istanbul

Dem Ende entgegen, Fischer am Bosporus, Minarette am Horizont, Muscheln, Tee und noch mehr Katzen. 

Inzwischen sind wir schon fast drei Wochen von unserer Zugreise durch den Balkan heimgekehrt und der Alltag hat uns wieder fest im Griff. Manchmal denken wir aber noch an die Stunden im Zug, das Ankommen und Abfahren und unsere letzten Tage der Reise in Istanbul.

Am Abend von Tag 17 verließen wir Veliko Tarnovo. Wir hatten Glück und konnten es uns zu zweit in einem Zugabteil gemütlich machen. So ratterten wir in die Dunkelheit.
Gegen elf am Abend hielt der Zug in Dimitrovgrad und alle Weiterreisenden nach Istanbul sind in einen Bus umgestiegen, da die weitere Zugstrecke im Umbau war. Wir schliefen ein und wurden wenige Stunden an der Grenze zwischen Bulgarien und der Türkei wach. Das Überqueren mit zweimaliger Passkontrolle und Buswechsel dauerte insgesamt eineinhalb Stunden. Kurz nachdem wir wieder saßen, fielen uns auch schon wieder die Augen zu.

Tag 18

Gegen halb sechs am frühen Morgen erwachte ich. Wir fuhren bereits durch die beeindruckend große Stadt Istanbul – über eine halbe Stunde sah ich links und rechts nichts weiter außer Stadtgebiet, bis zum Horizont.
Kurz nachdem wir links von uns über den Bosporus hinweg den Galataturm entdeckten, hielt der Bus in der Innenstadt. Aufregung wich der Müdigkeit. Wir kauften uns die „Istanbulkart“ für die Öffis, fuhren mit der Straßenbahn auf die andere Seite des Bosporus nach Karaköy (ehemals Galata) und suchten uns dort ein Frühstückscafé, das bereits so früh am Morgen geöffnet hatte.

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Nach einem türkischen Frühstück mit Weißbrot, Tomaten, Gurken, Oliven, Schafskäse, Joghurt und Honig durften wir direkt unser Apartment beziehen – nur 200 Meter vom Galataturm entfernt, direkt gegenüber einer Moschee. Der Muezzin sollte uns die kommenden Nächte noch regelmäßig um kurz nach 4.00 Uhr am Morgen aus dem Schlaf reißen…

Wir waren so erschöpft von der Fahrt, dass wir uns direkt hinlegten, während vor dem Fenster einer der trubeligsten Straßen von Karaköy erwachte.

Am Nachmittag spazierten wir zum Taksim-Platz, dem Gezi-Park, runter zum Bosporus und statteten einem türkischen Friseur einen Besuch ab. Wobei mir für eine ordentliche Rasur leider die nötige Gesichtsbehaarung fehlte.
Wir staunten über die Masse an Menschen, die Lautstärke auf den Straßen und die Energie der Stadt. Dort wo weniger Menschen liefen, schienen unzählige Katzen, die Herrschaft über ganze Seitenstraßen und Innenhöfe übernommen zu haben.

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Nach dem Abendessen-Klassiker unserer Reise, Ratatouille, waren wir zwar gestärkt, aber noch immer ziemlich geschafft, so dass das hochgelobte Nachtleben in Beyoglu leider ohne uns stattfinden musste. Wir schliefen ein und wurden nachts nur ein einziges Mal wach, als der Muezzin vor unserem Fenster über Lautsprecher zum Gebet rief.

Tag 19

Zum Frühstück erreichte uns eine Nachricht des Italieners, den wir auf dem Weg von Serbien nach Rumänien kennenlernten und der mit uns eine Nacht in Vršac verbrachte. Erinnert ihr euch an ihn?
Giacomo hatte es inzwischen auch nach Istanbul geschafft, glaubte seinen Pass verloren zu haben (und somit vorerst nicht das Land verlassen zu können) und suchte nun Anschluss. Wir luden ihn ein, bei uns zu bleiben. Vorbei war es mit der Zweisamkeit.
Da es wie aus Eimern schüttete, mussten wir auf ihn warten, bis die Straßen wieder passierbar waren. Der Regen verwandelte die Straße vor unserem Fenster in einen herabfließenden Bach, der ebenso schnell verschwand, wie er entstand.

Kurz nach Giacomos Ankunft zeigte sich die Sonne wieder und wir fuhren gemeinsam zum asiatischen Teil von Istanbul. Auf dem Weg zur Fähre kosteten wir die mit Reis gefüllten Muscheln, die an kleinen Ständen zahlreich verkauft werden. Köstlich.

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Auf der anderen Seite des Bosporus genossen wir das deutlich leerere, etwas sauberere und weniger touristische Stadtbild von Istanbul. Wir folgten einer Empfehlung aus dem Rough Guide und aßen eine unglaublich leckere türkische Pizza. Die vielen Marktstände mit frischen Obst, Gemüse und Fisch machten uns noch mehr Appetit, der mit einem Fischbrötchen gestillt wurde.

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Schließlich genossen wir den Sonnenuntergang am von Fischern gesäumten Bosporus und saßen zwischen Tee trinkenden und Sonnenblumenkernen knabbernden Einheimischen. Wir bestellten uns auch einen Tee und beobachteten das sonntägliche Flanieren.

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Am Abend fand Giacomo seinen Pass in den tiefen seines gigantischen Rucksacks und wie beendeten den Tag bei einem Glas Wein auf einer Dachterrasse in der Nachbarschaft unserer Unterkunft.

Der Blick über die Dächer, in die abendlich erleuchteten Wohnungen, verriet uns, dass die Gentrifizierung und das airb’n’b-Phänomen auch in Istanbul weit vorangeschritten sind.

Tag 20

Dieser Montag sollte ein typischer Touristentag werden. Auf unserem Programm standen: Hagia Sophia, Sultan-Ahmed-Moschee (Blaue Moschee), Türkischer Basar und die Süleymaniye-Moschee.
Da Giacomo seinen Pass gefunden und nun einige Sorgen weniger hatte, begleitete er uns an diesem Tag. Er hat nun viel Zeit zum Planen, denn zumindest für die Dauer unseres Aufenthalts musste er sich keine Sorgen über eine Bleibe machen.

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Unser kurzes Fazit zum tagesfüllenden Touri-Programm: Solange die Hagia Sophia sich noch im Umbau befindet, würden wir von einem Besuch abraten. Bauplanen und Stellwände versperren den Blick auf das Zusammenspiel christlich-byzantinischer und muslimischer Baukunst. In einem Reiseführer die Geschichte des heutigen Museums nachzulesen, lohnt sich aber auf jeden Fall! Beeindruckend waren vor allem die Besuchermassen…

Die Blaue Moschee ist wunderschön, aber ebenso ein Touristenmagnet. Eine echte Alternative ist die Süleymaniye-Moschee. Von dort hat man übrigens einen sehr guten Blick über Istanbul und den Bosporus hinweg nach Galata.
Der Basar war wie erwartet: Beeindruckend durch Größe und einer Fülle von überteuerten Touristenstehrumchen.

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Pünktlich zum Sonnenuntergang überquerten wir die Brücke Galata Köprüsü und hatten an diesem Tag zum ersten Mal das Gefühl, das echte Leben in Istanbul zu spüren: Fischer auf der Brücke, Stände mit Esskastanien, Tee und Muscheln und die Minarette am Horizont.

Am Abend lauschten wir nur noch dem Abendruf des Muezzin, bevor wir uns in die Betten kuschelten.

Tag 21

Um dem Trubel der Großstadt ein wenig zu entkommen, folgten wir dem Tipp eines daheimgebliebenen Freundes und fuhren zu zweit mit der Fähre nach Kinaliada, eine der Prinzeninseln vor Istanbul.
Die Fährüberfahrt dauerte etwa eine Stunde. Direkt mit der Ankunft auf der Insel spürten wir die ruhigere Stimmung gegenüber der auf dem Festland. Auf dem dortigen Markt kauften wir Pfirsiche und Nektarinen und liefen halb um die Insel, zu einem kleinen Steinstrand. Wer feinsandige, kilometerlange Strände liebt, sei dieser Ort nicht empfohlen. Wir hingegen genossen es, unter einem Sonnenschirm, zwischen Einheimischen zu liegen und den seichten Wellen zu lauschen.

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Dieser entspannte Tag wurde einzig auf dem Rückweg getrübt: Wir waren erschrocken über die vom Winde verwehten Müllberge, die die Marktstände zurückgelassen hatten.

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Am Abend waren wir ein wenig aktiver als sonst: Gemeinsam mit Giacomo gingen wir in eine (leider viel zu teure) Bar. Anders als bei unseren bisherigen Stopps der Reise, gab es in Istanbul viel weniger Möglichkeiten, günstiges Bier zu kaufen. Wenig überraschend, aber trotzdem schade.

Tag 22

Der letzte Tag unserer Reise. Giacomo schlief noch, als wir zum Frühstück das Apartment verließen. Wir bummelten in den umliegenden Straßen umher, streichelten ein paar kleine Katzen, gaben unsere letzten Lira aus.

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Als wir am Nachmittag zurück in Apartment kamen, fanden wir einen Abschiedsbrief von Giacomo. Er hatte sich bereits auf den Weg zum Bus gemacht, der noch am selben Abend nach Griechenland fuhr. Ciao Giacomo.

Wir packten unsere Koffer und gingen abends in ein kleines Restaurant und aßen Joghurt-Minz-Soße zu gebratenem Gemüse und tranken Tee. Bevor wir uns so früh wie möglich schlafen legten, stellten wir unseren Wecker auf kurz vor 3.00 Uhr.

Das bestellte Taxi holte uns pünktlich um 3.20 Uhr ab und fuhr uns durch ein ungewöhnlich ruhiges, schlafendes Istanbul zum Flughafen. In dieser Nacht hörten wir den Muezzin um kurz nach vier Uhr nicht mehr rufen…

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