Frühling in Palermo // 5 Lieblingsorte

Auf unserer Tour durch den Norden Siziliens war Palermo ein Stopp auf den wir uns ganz besonders freuten. Palermo ist die Stadt, die ich so unbedingt kennenlernen wollte, weswegen Sizilien überhaupt zu einem Reiseziel wurde. Ich hatte von der Antike und der Moderne der Stadt, dem Prunk und dem Verfall, den Märkten, den Menschen, der Mafia und dem nordafrikanischen Einfluss gehört. In der Zeit um die Osterfeiertage habe ich vor allem erlebt, dass dort im Frühling* das Leben auf der Straße stattfindet. Und weil es uns so gut in Palermo gefiel, haben wir spontan auf zwei Reisetage im Süden der Insel verzichtet und sind einfach länger in dieser tollen, italienischen Stadt geblieben.

Hier sind meine 5 Lieblingsorte in Palermo im Frühling:

Alle Tipps befinden sich in der historischen Altstadt von Palermo, die sich prima zu Fuß erkunden lässt. Die Altstadt besteht aus den vier Stadtteilen Kalsa, Albergheria, Il Capo und La Loggia.

1. Streetart in Il Capo und La Loggia

Wer Streetart liebt, sollte mit offenen Augen durch die historische Altstadt von Palermo gehen und seinen Blick auf Fassaden und Mauern richten. Im Viertel Il Capo haben wir viele bunte Wände entdeckt.

Wandmalerei in Palermo

Beim Bummel durch La Loggia fanden wir uns plötzlich auf einem Platz wieder, dessen Gebäude rundherum bemalt waren oder Botschaften wie „Uwe ti ama“ verkündeten. In der Mitte des Platzes befand sich ein abgesperrter Brunnen. Davor saß eine Frau hinter einem selbstgebauten Bancomat, neben ihr ein Mann mit weiten Schlaghosen. Wir erkannten nicht sofort, dass wir auf der Via Garraffello direkt vor dem Brunnen „Fontana del Garraffello“ standen und der Mann der österreichische Künstler Uwe Jäntsch und die Frau seine Lebensgefährtin Constanza Lanza di Scalea waren. Aus Protest gegen den Verfall des einst prunkvollen Viertels mit seinen prächtigen Bauten und Palazzi war es eine Aktion von mehreren, in denen Uwe Jäntsch auf den historischen Brunnen an der Via Garraffello „si vende“ (dt.: zu verkaufen) sprühte. „Uwe ti ama“ (dt.: Uwe liebt dich) prangt auf der Banca Nazion und der selbstgebaute Bancomat weist mahnend auf die Digitalisierung von Geschäften und die Gentrifzierung von Palermos Altstadt hin.

Uwe Jäntsch und sein Bancomat vor dem eingezäunten Brunnen „Fontana del Garraffello“

Mein Tipp:
Seid geschickt im Künstler-Talk mit Uwe Jäntsch. Auf unsere Frage nach der Aussage der Kunst wurden wir nur an der Nase herumgeführt. Ob das zum Konzept gehört, der gute Herr beleidigt war, dass wir nicht alles sofort verstanden oder er einfach einen schlechten Tag hatte, werden wir wohl nie erfahren. Im Zweifel informiert euch das Internet über seine Kunst. 😉

2. Streetfood in der Altstadt und auf dem Mercato del Capo

Wo das Leben auf der Straße stattfindet, wird auch auf der Straße gegessen. Palermo ist bekannt für sein Streetfood.

Dass es Eis geben würde, überraschte uns nicht. Dass es traditionell im Brioche gegessen wird und damit so groß wie ein Döner ist, war allerdings eine Überraschung.

Eis im Brioche

Neu waren für uns Arancini. Das sind frittiert und gefüllte Reisbällchen (wobei es eher Bälle heißen sollte, da sie sehr satt machen), die je nach Tradition rund oder konisch sind. Die Füllung reicht von vegetarisch über Fleisch bis hin zu Schwertfisch, dem Speisefisch-Klassiker der sizilianischen Küche. Ebenso traditionell für Sizilien, und bei Palermitanern von jung bis alt sehr beliebt, ist das „pani ca meusa“ (dt.: Brot mit Milz). Kleine, gekochte Milzstückchen (manchmal soll auch Lunge dabei sein) werden zwischen zwei Brötchenhälften gepackt, mit Zitrone beträufelt und mit Käse bestreut. Gekostet haben wir es, gemocht nicht. Gegrillte Artischocken und frisch eingelegt Oliven vom Markt hingegen waren einfach köstlich.

Arancino von ke Palle

Da Palermo für sein Streetfood so bekannt ist, werden eigens zum Kennenlernen der Spezialitäten Touren angeboten und ein Festival veranstaltet.

Neben dem Streetfood-Angebot lohnt es sich immer wieder, Bäckereien und Konditoreien aufzusuchen. Neben den traditionellen, sizilianischen Marzipan-Früchten gibt es verschiedenste Backwaren mit Marzipan und natürlich Cannoli. Cannoli sind mit Creme, Schokolade, Mandeln oder Eis gefüllte Teigröhrchen.

Wer selbst kochen möchte, kauft auf einem der Märkte ein. Märkte gibt es quasi in jedem der vier Viertel, aber keiner ist so schön und macht mehr Lust auf eigene Kreationen im Kochtopf als der Mercato del Capo. Frischer Fisch, Oliven, Artischocken, Tomaten, Orangen, Zitronen, Brot, Sardellen und Fleisch in Hülle und Fülle.

Frische Orangen und gegrillte Artischocken

Meine Tipps:
Für eine Übersicht vieler sizilianischer Streetfood-Köstlichkeiten ist ein Besuch in der Antica Focacceria San Francesco praktisch. Angeblich soll es eines der wenigen Restaurants in Palermo sein, das kein Schutzgeld an die Mafia zahlt und sogar schon vor Gericht gegen sie ausgesagt haben soll. Einziger Wehmutstropfen: das Plastikbesteck.
Eine riesige Auswahl an Arancini gibt es bei ke Palle.

3. Streetlife im Foro Italico

Streetlife hat man in Palermo auf allen Straßen und in den kleinen Gassen. Besonders beliebt war am Ostersonntag das Foro Italico. Das ist eine große Wiese mit ein paar Palmen direkt am Meer. Da der vorhergesagte Regen ausblieb, machten wir uns am frühen Nachmittage auf den Weg dorthin. Am späteren Nachmittag war die Grünanlage voll. Viele Kinder und junge Männer spielten Fußball, Pärchen lagen engumschlungen auf der Wiese, Hunde rannten an uns vorbei, Kinder mit Ballons und Lenkdrachen rannten über die Wiese, Ältere saßen auf den Bänken am Meer, es wurden Limo, Bier und Zuckerwatte verkauft und die indische Community bestimmte mit Generatoren den Sound zum Geschehen. Wir saßen auf der Wiese und fühlten uns inmitten des bunten Treibens schon fast zugehörig.

Ein Sonntag im Frühling im Foro Italico

Mein Tipp:
Wer einen Blick über den Tellerrand der Altstadt riskieren möchte, sollte sich unbedingt bei Social Bike Palermo ein Rad ausleihen.

Mit dem Rad in Palermo unterwegs

4. Die Kuppel der Kirche Santissimo Salvatore (Albergheria)

Von der „Cupola del Chiesa del Santissima Salvatore“ (dt.: die Kuppel der Kirche des heiligsten Erlösers) hatten wir einen herrlichen Blick über die Altstadt von Palermo und bis zum Meer. Der Turm scheint fast noch ein Geheimtipp zu sein, denn wir waren eine ganze Weile oben – und mit uns nur noch ein einziges Paar. Der Eintritt beträgt 2,00 Euro pro Person.

Blick über die Altstadt von Palermo (von der Kuppel der Kirche Santissimo Salvatore)

5. Der Piazza Sant’Anna (Kalsa)

An dem Platz „Piazza San’t Anna“ befindet sich die Barock-Kirche Santa Maria della Misericordia. Im Klosterbau der Kirche ist das Museum für Moderne Kunst Galleria d’Arte Moderna Palermo untergebracht. Neben der Kunstsammlung mit Werken des späten 19. Jahrhunderts und frühen 20. Jahrhunderts ist das Kloster mit einem Kreuzgang im gotisch-katalanischen Stil selbst Zeugnis vergangener Kunstepochen aus Italien.

Nach dem Museumsbesuch kann der Durst im Monkey Pub (direkt gegenüber) bei einem Bier, Wein oder Cappuccino gestillt werden. Abends finden dort immer wieder kleine Konzerte und Jamsessions statt.

Piazza Sant’Anna mit Blick auf den Monkey Pub

*Mein Reisetipp für Palermo:
In das Palermo „Streetlife“ könnt ihr im Frühling und im Herbst eintauchen. Im Sommer sind die Temperaturen viel zu heiß, die Palermitaner flüchten ans Meer und lassen in der Stadt nur die schwitzenden Touristen zurück.

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